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„Der Wald hat lange Zeit einen unentbehrlichen Beitrag zur Ernährung der Eifeler Bevölkerung geleistet.
Er war die Stütze der Landwirtschaft.“
 


Dr. Werner Schwind, Forstexperte aus Gerolstein/Eifel


Den Vortrag "Vom Urwald zur Wacholderheide" (mit MS-Powerpoint unterstützt ca. 90 Minuten) können Sie direkt bei mir buchen >>> hier


Wir können davon ausgehen, dass das Eifelgebiet schon lange vor unserer Zeitrechnung besiedelt war. Aus nomadisierenden Jägern und Sammlern hatten sich nach der letzten Eiszeit gut 5.000 Jahre v. Chr. nur in geringer Zahl Landnutzer entwickelt, die Ackerbau und Viehzucht betrieben. Selbst vor 2000 Jahren, nachdem die Eifel durch die Römer „befriedigt“ worden war, handelte es sich noch um ein weitgehend geschlossenes Waldgebiet.
Die häufigste Baumart war seit jeher die Buche. In einigen wärmeren Gebieten gab es auch Eichen. Bis auf die Eibe und wenige postglaziale Kiefern gab es fast keine Nadelbäume in den von Menschenhand unberührten Urwäldern. Ihre Nutzung beschränkte sich auf die Jagd und das Sammeln von Waldfrüchten und Holz.
Erst nach der 400-jährigen römischen Phase wurde die Eifel - wahrscheinlich ab der Mitte des 5. Jahrhunderts - bevorzugtes Siedlungsland für Ackerbauern. Fruchtbare Böden für den Getreideanbau gab es zunächst nur in den Tallagen, wo zusätzlich frisches Wasser in ausreichender Menge und Güte für Mensch und Tier vorhanden war. Die zur Verfügung stehenden Flächen dort reichten allerdings bei weitem nicht aus. Um mehr Vieh halten zu können und zu diesem Zweck ausreichend Vorräte für den Winter zu beschaffen, rodeten unsere Vorfahren die Wälder auf den Höhen rund um ihre Siedlungen.


"Die Mittelgebirgsregion Eifel beeindruckt durch ein facettenreiches Landschaftsbild.
Der Gast kann sich auf sanfte Gebirgszüge, üppig grüne Wälder und malerische Täler freuen."

heißt es in der Werbung eines Tourismusunternehmens.

Vor 200 Jahren sah das Eifelland allerdings völlig anders aus...



“Schön ist die Aussicht nicht, weil die Nähe nichts Liebliches,
sondern nur schaurig ödes Heideland bietet.
Aber die Fernsicht ist beinahe fabelhaft....“


Gottfried Kinkel (1815 – 1882) in "Die Ahr"

Fritz von Wille (1860 - 1941), der berühmte Eifelmaler, hat die Ergebnisse der Zerstörung
der Eifellandschaft in seinen Bildern festgehalten >>> mehr

Eisenproduktion

Bereits Kelten und Römer nutzten das heimische Eisenerz zur Herstellung von Waffen und Gerätschaften. Vom Mittelalter an bis zum Ende des 30-jährigen Krieges und später noch einmal während der französischen Besatzungszeit 1794 - 1814 gab es in der Eifel eine äußerst rege Eisenproduktion, die für viele Menschen Arbeit und Brot bedeutete. Die dazu benötigten Mengen an Holzkohle, 40 Kubikmeter Holz je Tonne produziertes Eisen, lieferte der Wald. Überall im Eifelland rauchten die Kohlenmeiler. Was nicht direkt an die Schmelzöfen in dern Tälern abgeliefert wurde, gelangte mit Karren über die Kohlenstraßen aus dem Eifelhochland nach Osten zu den Häfen und Produktionsstätten am Rhein. Der Nettehammer bei Andernach war nur eine von vielen >>> mehr



Tag und Nacht rauchten die Kohlenmeiler im Eifelwald

Glas- und Seifenproduktion

Die Köhlerei, genauer gesagt die Aschenbrennerei diente nicht nur zur Gewinnung von Holzkohle zur Erzverhüttung, sondern auch zur Herstellung von Kaliumcarbonat (Pottasche). Dieses Ausgangsprodukt ließ sich zu 50–80 % aus Holzasche extrahieren und fand eine weite Verbreitung in der Glasindustrie), in der Seifensiederei (als Bleichmittel) bis zur Verwendung als Backtreibmittel.

Lederproduktion

Eine weitere Belastung für die Eifelwälder, aber auch ein wichtiges Zubrot für die Eifler Bauern, war das Schälen junger Eichen- und Buchenstämme in den so genannten Lohhecken zum Gewinn der Rinde (Lohe). Sie enthielt die für die Lederherstellung wichtige Gerbsäure (Tannin). Die Rinde wurde im Frühjahr von den  geschlagenen Stämmen mit dem Lohmesser (Lohlöffel) abgelöst, über den Sommer auf Gestellen getrocknet und im Herbst an Händler und Gerbereien verkauft. Das Material wurde anschließend in den Lohmühlen vermahlen. Das Mahlgut wurde von den Lohgerbern mit Wasser zu einer Brühe vermischt, in der die von Fett und Gewebe befreiten Tierhäute eingelegt wurden. Das nicht benötigte Holz wurde von den Bauern als Brandholz genutzt oder zu Holzkohle verarbeitet >>> mehr




Lohe schälen (Schleißen) (Bild: WIKIMEDIA)

Zum Lösen der gerbstoffhaltigen Rinde der Eichen in möglichst einem Stück dient der Lohlöffel.
Dazu wird die Rinde mit einem Schnitt entlang des noch stehenden Stammes aufgeschnitten und
von diesem Schnitt aus zur Seite hin mit dem Löffel abgelöst

Waldweide und Waldstreunutzung

Die Eifelwälder dienten der Landbevölkerung auch als Waldweide für Rinder, Schafe und Schweine. Das Vieh wurde in den Laubwald getrieben, wo vor allem die jungen Triebe sowie Eicheln und Bucheckern als Nahrungsgrundlage dienten. Was den Bauern freute, war jedoch fatal für die Natur: Junge Bäume hatten häufig keine Chance nachzuwachsen. Ein weitere landwirtschaftliche Nutzung des Waldes bestand seit der Römerzeit im Abhauen des grünen Laubes zu Futterzwecken — das sogenannte „laubhawen“ — und das großflächige Sammeln des Herbstlaubes als Einstreu für die Viehställe. Durch die Waldstreunutzung wurden dem Waldboden ständig Nährstoffe entzogen, was die nachhaltige Leistungsfähigkeit der Wälder erheblich verringerte. Der Wald wurde buchstäblich aufgefressen. So entstanden im Laufe der Jahre großflächige Waldheiden.
Der Wald diente aber nicht nur als Viehnahrung, sondern auch als Grundlage für die Produktion von Getreide. Im gesamten Eifelgebiet betrieben die Bauern die sogenannte "Rott- und Schiffelwirtschaft".

Rottwirtschaft

Bei der "Rottwirtschaft" wurden Gemeindewaldbestände in Abständen von 15 bis 20 Jahren gehauen und Teile des Holzes auf der frei gewordenen Fläche verbrannt. Übrig blieb Asche, die einer primitiven Düngung gleichkommt. Diese reichte für ein bis zwei Jahre zum Anbau von Hafer oder Roggen. Der Austrieb aus den verbliebenen Wurzelresten, der so genannter Stockausschlag, bildete in den darauffolgenden 15 bis 20 Jahren den so genannten Niederwald. Der wiederum wurde überwiegend als Brennholz genutzt und der Zyklus der "Rottwirtschaft" begann erneut von vorn.

Schiffelwirtschaft

Bei der "Schiffelwirtschaft" wurde (ab ca. 1450) der Gemeindewald im Frühjahr komplett gerodet, also auch die Wurzeln der Bäume entfernt und alles im Frühsommer verbrannt. Im Herbst säten die Bauern meist Roggen, der im darauf folgenden Sommer eine durchaus gute Ernte einbrachte. Im zweiten Jahr konnten die Bauern noch mit einer durchschnittlichen Haferernte rechnen. Wenn es der Boden zuließ, wurde auch noch einmal Roggen angebaut, wenngleich der Ertrag eher mäßig ausfiel. Manchmal gedieh auch nur noch ein wenig Buchweizen. Wenn der Boden nach spätestens vier Jahren ausgelaugt war, überließ man das Land für gut 15 bis 20 Jahre seinem Schicksal. Während dieser Zeit diente es als Schaf- und Rinderweide. Die spärliche Grasnarbe war schnell abgefressen und übrig blieben nur die Pflanzen, die von den Tieren verschmäht wurden. So entstanden mit der Zeit die typischen Heidelandschaften mit ihren immergrünen Wacholderbäumen und Besenginstern. Dazwischen bildeten Heidekraut und das anspruchslose Borstgras trockene Rasenflächen. Das Heidekraut wurde regelmäßig geschnitten, gesammelt und als Streu im Stall verwendet. So bildete sich im Laufe der Jahre eine torfähnliche Bodenbedeckung. Wenn die Zeit gekommen war, wurde sie mit Schaufeln abgeplaggt (abgeschiffelt). Die Heideplaggen wurden verbrannt und im Herbst als Dünger ausgebracht. Damit begann der Bearbeitungszyklus wieder von vorn.

Durch die intensive Nutzung und den Raubbau waren die Waldbestände in der Eifel zu Beginn des 19. Jahrhundert fast völlig verschwunden. Die riesigen Heideflächen, auch in der Osteifel, reichten oft bis zum Horizont. Fritz von Wille, der große Eifelmaler, hat mit seinen Landschaftsbildern diese Epoche eindrucksvoll dokumentiert. Erst durch eine massive Aufforstung, überwiegend mit schnell wachsenden Fichten ("Preußenbaum"), gelang es ab 1815 der preußischen Forstverwaltung, den völligen Niedergang des Eifelwaldes zu stoppen.


Stephan E. Braun: Historische Waldnutzungsformen im Kreis Ahrweiler

Ginstergold und Bauernarmut - Landwirtschaft damals (sehr informativ, aus Luxemburg)

Uwe Eduard Schmidt - Die sozialgeschichtliche Bedeutung des Waldes im 18. und 19. Jahrhundert

Ottmar Prothmann - Das Ländchen Kalenborn im 18. Jahrhundert

...wird fortgesetzt!

 
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