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(aus einem meiner Buchprojekte)

Die Winternacht ist bitterkalt. Ein eisiger Nordwestwind treibt schwarze Schatten über die mondbeschienenen Heideflächen der verschneiten Eifelhöhen. Immer wieder verharren sie, um Witterung aufzunehmen und ihre schaurige Rufe auszustoßen. Die Wölfe sind da!
Erst sind es nur zwei, dann ein Dutzend. Und aus dem Talkessel steigt der unwiderstehliche Geruch von Beute herauf. Die Schatten formieren sich und wie auf ein Kommando huschen sie bergab, immer dem betörenden Duft nach. Das Wolfsrudel ist so ausgehungert, dass es den ebenfalls immer stärker werdenden Menschengeruch ignoriert, den sie zu fürchten gelernt haben. Die Räuber haben den Rand des Dorfes erreicht. Zwei springen auf das Strohdach eines Stallanbaus, wo sie eine Ziege gewittert haben. Unter dem Gewicht der großen Tiere gibt die morsche Stallwand krachend nach. Gefährliches Knurren, ein kurzer Aufschrei der Kreatur im Todeskampf und Sekunden später herrscht wieder Totenstille. So lautlos, wie die Wölfe aus der Dunkelheit gekommen sind, verschluckt die Nacht sie wieder....


Es gibt zahlreiche alte Urkunden und Erzählungen, die von diesen oder ähnlichen Vorkommnissen in der Eifelregion berichten.
Die ohnehin bettelarme Landbevölkerung erhielt keinerlei Entschädigungen von der Obrigkeit, obwohl ihre Existenz durch die Wolfsplagen in hohem Maße gefährdet war. Die Milch der Ziegen war in den harten Wintermonaten oft das einzige frische Lebensmittel und diente den ausgemergelten Frauen als Stillersatz für die Kleinsten....



Hein Hoppmann (1901 - 1982) "Ziegen vor einer Bauernkate", 1945, Öl auf Holz
Die armseligen, mit Stroh gedeckten Behausungen der einfachen Bauern
boten kaum Schutz gegen ausgehungerte, erwachsene Wölfe.


Wolfsjagd im 17. Jahrhundert, zeitgen. Stich, anonymDie ungünstigen klimatischen Verhältnisse im 18. und 19. Jahrhundert sowie die napoleonischen Kriege verstärkten die Zuwanderung der Wölfe aus ihrer Heimat in den Ardennenwäldern bis in die Vordereifel. Dort entwickelten sich die Wolfsrudel insbesondere in den kälte- und schneereichen Wintern in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer regelrechten „Wolfsplage“. Die völlig ausgehungerten Tiere verließen nachts den Schutz der Wälder und machten auch an den Dorfrändern nicht halt. Es wird berichtet, dass selbst in den Ställen das Vieh, insbesondere Ziegen und Schafe, aber auch Rinder gerissen wurden. Wen nimmt es Wunder, dass die arme Landbevölkerung gerne dem Aufruf zur gnadenlosen Wolfsjagd der preußischen Obrigkeit folgte, um mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, Gewehren, Mist- und Heugabeln oder Sensen, der verhassten Bestie den Garaus zu machen....

Wolfsjagd im 17. Jahrhundert, zeitgenössischer Stich, anonym

Die grauen Räuber hatten gegen diese Hetzjagden keine Chance. 1888 wurde letzte Eifelwolf bei Auel nahe Gerolstein erlegt.

Quellen:
Jürgen Johann: Die letzten Wölfe unserer Heimat
Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2004
diverse Beiträge im Heimatjahrbucharchiv des Landkreises Vulkaneifel


Der Wolf gilt von jeher als teuflisches Wesen, als Inbegriff tödlicher Feindschaft und erbarmungsloser Mordgier. Als Werwolf wurde er vor allem während und nach den Schrecken des 30-jährigen Krieges im Rahmen der Hexenverfolgung zum Sündenbock für die furchtbare Lebenssituation der Menschen gemacht.

"In einer Zeit, in der der Mensch seine Mitmenschen unmenschlich behandelt hat, ist es kaum verwunderlich, daß die Menschen zu glauben begannen, Wölfe seien Mensch in Tiergestalt, oder der als Tier verkleidete Teufel" behauptet die Fernsehjournalistin Iris Rietdorf in einem Anfang 2007 ausgestrahlten Beitrag im 1. Programm der ARD. Für die Adeligen und Jäger sei diese Behauptung ein zweckmäßiger Vorwand gewesen, ihrem Konkurrenten bei der Jagd den Garaus zu machen. Und selbst heute in unserer aufgeklärten, naturwissenschaftlich orientierten Zeit halte die moderne Filmindustrie gern am Image der Bestie fest. Ob "American Werewolf" oder "Harry Potter" – der Wolf komme nicht besonders gut weg.

Hier mein Buchtipp zum Thema:

Erik Zimen
Der Wolf - Verhalten, Ökologie und Mythos
Das Vermächtnis des bekannten Wolfsforschers
2003, Franck-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart



 
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